Traden mit der NotenbankTraden mit der Notenbank

Wie im Artikel „Wirtschaftskalender“ bereits erwähnt, haben Zinsentscheidungen der Notenbanken großen Einfluß auf eine Währung. Vereinfacht kann man sagen, dass Zinserhöhungen zu steigenden und Zinssenkungen zu fallenden Kursen führen. Da wir es beim Forex-Trading immer mit Währungspaaren zu tun haben, beziehen sich die Kursveränderungen immer auf die Währung, die an erster Stelle steht. Handeln Sie beispielsweise das Paar EUR/USD, wird der Euro im Falle einer Zinserhöhung steigen und der Dollar im Gegenzug fallen. Umgekehrt verhält es sich bei einer Zinssenkung im Euro. Traden mit der Notenbank kann sich dadurch als profitable Strategie erweisen.

Wie profitieren Sie von Zinsentscheidungen der Notenbank ?

Im Vorfeld einer Notenbankentscheidung können Sie verschiedene Faktoren prüfen, um die Richtung der künftigen Zinsen vorherzusehen. Ist beispielsweise die Inflation seit der letzten Entscheidung stark angestiegen, können Sie davon ausgehen, dass die Zinsen steigen. Wenn Sie richtig liegen, wäre ein long-Trade (Kauf) eine gute Wahl. Das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt oder ist rückläufig? Dann könnten die Zinsen gesenkt werden, um das Wachstum durch günstigere Kredite anzukurbeln. Ein short-Trade (Verkauf) hätte hier gute Chancen.

So positionieren Sie sich optimal

Wie im letzten Absatz dargestellt, können Sie sich bereits im Vorfeld einer Zinsentscheidung positionieren. Dennoch ist die Wahl der Richtung auch bei guter Recherche immer nur ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Liegen Sie daneben, werden Sie einen Verlust erleiden, der zwar bei Eingabe eines Stopp-Loss nicht hoch sein muss, aber doch ärgerlich ist.

Wäre es da nicht sinnvoll, eine Strategie zu nutzen, bei der es egal ist, ob der Kurs fällt oder steigt? Voraussetzung für diese Strategie ist es aber, dass Ihr Broker die gleichzeitige Öffnung eines long – und short-Trades im gleichen Währungspaar zulässt (hedging).

Schauen wir uns das mal im Chart an, dann sollte diese Strategie erkennbar sein.

Traden mit der Notenbank bei GBP-USDIm obigen Chart sehen wir das Währungspaar GBP/USD im Stundenchart. Am 02.08.2018 entschied die britische Notenbank, den Leitzins um 0,25% zu erhöhen. Normalerweise würde die Währung dadurch aufwerten, also im Vergleich zum Dollar steigen. Hier passiert etwas völlig Entgegengesetztes. Nach einem sehr kurzen Ausflug nach Norden fällt der Kurs des britischen Pfunds weiter.

Was war passiert?

Die Notenbank hat den Leitzins von bisher 0,5% auf 0,75% angehoben. Der Hintergrund war der Versuch, die hohe Inflation etwas nach unten zu drücken. Vermutlich durch das Brexit-Votum hat die Zinserhöhung jedoch nicht das gewünschte Resultat gebracht.
Für unsere Strategie – und das sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt – spielt es überhaupt keine Rolle, ob der Kurs nach einer Notenbankentscheidung steigt oder fällt. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass viele angehende Trader ein mentales Problem mit fallenden Kursen haben, wurde ihnen doch jahrelang vorgegaukelt, nur Wachstum (nach oben) sei gut und wichtig. Wer auf fallende Kurse setze, sei ein „Bösewicht“, ein skrupelloser Hedgefonds-Manager oder gar eine „Heuschrecke.“ Lassen Sie sich davon bitte nicht beeinflussen. Warum sollten Sie auf 50% der Chancen verzichten, wenn Sie nur auf steigende Kurse setzen? Zumal Abwärtstrends in aller Regel schneller und dynamischer verlaufen als Aufwärtstrends.

Unser Trading-Setup sieht wie folgt aus:

Vor Beginn der Notenbanksitzung eröffnen wir parallel einen long – und einen short-Trade. Da wir wissen, dass sich nur eine Richtung durchsetzen wird, setzen wir unsere stopp-Loss Marken kurz unter die letzten markanten Tiefs (long-Trade) oder kurz über das letzte markante Hochs (short-Trade). Ich empfehle einen Stopp von etwa 80-100 Pips. Gleichzeitig geben wir bei jedem der beiden Trades einen Trailing-Stopp von etwa 100 – 150 Pips ein, damit die Stopps automatisch in die Gewinnrichtung nachgezogen werden.

Wie wäre unsere Strategie verlaufen?

Zunächst ist der Kurs gestiegen, von etwa 1,3070 auf 1,3120, das sind rund 50 Pips. Die Stopps hätten bei beiden Trades nicht ausgelöst, so dass wir weder gewonnen noch verloren hätten. Der long-Trade lag 50 Pips im Plus, der short-Trade 50 Pips im Minus, was sich ausgeglichen hat. Im Anschluß sehen Sie, dass der Kurs vom 02.08.2018 bis 10.08.2018 nur gefallen ist, mit kleinen Zwischenerholungen nach oben. In der Nacht vom 02. auf den 03. August hätte unser Stopp auf den long-Trade ausgelöst und wir hätten ca. 100 Pips verloren. Gleichzeitig war unser short-Trade aber 100 Pips im Plus, so dass es unter dem Strich sozusagen bis dahin eine „Nullnummer“ war.

Da die Kurse bis zum 10. August weiter gefallen sind, hätte unser short-Trade weitere 200 Pips gewonnen, bevor auch er ausgestoppt wurde. Der individuelle Erfolg hängt natürlich auch etwas vom „Feintuning“ ab. Wie Sie am Verlauf der Abwärtsbewegung erkennen können, gabe es innerhalb des Abwärtstrends 3 größere Abwärtswellen, das ist in der Regel ein Anzeichen dafür, dass es zunächst nicht weiter nach unten geht und man den Gewinn realisieren sollte.

Fazit:

Mit dieser Strategie können Sie bei Notenbankentscheidungen sehr oft einen schönen Gewinn realisieren. Traden mit der Notenbank ist eine etwas aussergewöhnliche Strategie, kann aber sehr profitabel sein. Denken Sie aber immer daran, einen stopp-loss zu setzen, um Ihr Handelskapital zu schützen.

In diesem Sinne, starten Sie die Jagd nach den Pips !

Ich wünsche Ihnen erfolgreiche Trades !

Ihr
Investmentdoktor
Andreas Orth

 

 

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